Mein Burnout – und der Weg zurück
Interstuhl    02.10.2026     731

MEIN BURNOUT – UND DER WEG ZURÜCK

Andrea Mettenberger

Inhaberin verRückte impulse

Andrea Mettenberger, Unternehmerin, erzählt von ihrem Burnout und dem Weg zurück. Ein persönlicher Erfahrungsbericht über Verantwortung, Überforderung und die Erkenntnis, wie sehr Arbeitsumfeld, Erwartungen und Gewohnheiten unsere Gesundheit beeinflussen.

Doch bevor wir in diesen persönlichen Erfahrungsbericht eintauchen, stellt sich eine naheliegende Frage.

WAS HAT EIN BÜROMÖBELHERSTELLER MIT BURNOUT ZU TUN?

Auf den ersten Blick wenig. Ein Burnout entsteht nicht durch einen Schreibtisch, einen Stuhl oder eine Arbeitsumgebung. Und doch prägen Arbeitsplätze den Großteil des Alltages. Sie beeinflussen, wie Menschen arbeiten, wie konzentriert sie sind und ob Erholung im Arbeitsalltag möglich ist.

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Diese Zahlen machen deutlich, dass psychische Gesundheit ein zentrales Thema der Arbeitswelt ist. Als Büromöbelhersteller gestalten wir Arbeitsumgebungen, die das tägliche Arbeiten prägen. Wir wissen, dass Räume allein keinen Burnout verhindern können. Sie können aber dazu beitragen, konzentriertes, gesundes und menschliches Arbeiten zu unterstützen. Genau deshalb ist uns dieses Thema wichtig.

Wie sich ein Burnout schleichend entwickelt, welche Warnsignale oft übersehen werden und welche Erkenntnisse Andrea Mettenberger daraus für ihr Leben und ihre Arbeit mitgenommen hat, erzählt sie im folgenden Erfahrungsbericht.

JAHRELANG UNTER STROM BIS NICHTS MEHR GING

Ich schaffe es nicht aufzustehen, nicht zu duschen. Alles ist zu viel – körperlich und mental. Mein Kopf ist leer und gleichzeitig unruhig. Und da ist diese Frage: Was stimmt eigentlich nicht mit mir?

Heute weiß ich: Der Burnout hat sich über Jahre aufgebaut. Ich wollte funktionieren, als Unternehmerin und als jemand, bei dem alles läuft. Dabei habe ich meine eigenen Grenzen immer weiter verschoben.

Meine Tage waren voll und selbst wenn sie vorbei waren, hat mein Kopf weiter gearbeitet. Ich spielte Gespräche noch einmal durch, hinterfragte Entscheidungen und überlegte, was ich vielleicht übersehen hatte.

"Ich schaffe das schon."

Dieser Satz hat mich lange getragen und gleichzeitig angetrieben. Mein Schlaf wurde zunehmend schlechter. Teilweise wachte ich im Zwei-Stunden-Rhythmus auf, Tiefschlaf gab es kaum noch. Ich wurde dünnhäutiger und weniger belastbar und versuchte trotzdem weiter zu funktionieren. Bis es nicht mehr ging. Dann kamen Panikattacken, Herzrasen, Zittern und eine ständige innere Unruhe.

BURNOUT ENTWICKELT SICH MEIST SCHLEICHEND

Nicht jede betroffene Person erlebt dieselben Symptome. Warnsignale können unterschiedlich ausgeprägt sein.

Typische Warnsignale sind:


Je früher diese Signale ernst genommen werden, desto besser lassen sich Gegenmaßnahmen einleiten.

HILFE ZU SUCHEN WAR SCHWERER ALS GEDACHT

Als klar war, dass es so nicht weitergeht, habe ich Hilfe gesucht. Ich war beim Arzt, bekam Medikamente, buchte mir Coachings und versuchte, einen Therapieplatz zu finden. Das war ernüchternd: Wartelisten, Absagen, keine Rückmeldungen. Und ich mittendrin – ohne Kraft und ohne klare Gedanken. Selbst einfache Dinge wie Telefonate wurden zur Hürde. Ich wollte etwas verändern und hatte gleichzeitig kaum noch Energie dafür. Mit einer Portion Glück bekam ich fünfeinhalb Wochen später einen Platz in einer Klinik.

Schon beim ersten Gespräch hatte ich das Gefühl: Hier weiß jemand genau, was gerade mit mir passiert. Doch was dann passierte, hat mich selbst überrascht: Am Tag meiner Ankunft in der Klinik waren meine Symptome plötzlich weg. Ich hatte wieder Energie, konnte lachen und wurde tatsächlich gefragt: "Warum bist du eigentlich hier?"
Ich konnte es selbst kaum erklären.

Am zweiten Wochenende fuhr ich im Rahmen der sogenannten Alltagsprobe nach Hause. Und beim Betreten meiner Wohnung war alles wieder da: das Zittern, die kleinen Panikattacken, die Unruhe. In diesem Moment wurde mir klar: Es geht nicht nur darum, mich auszuruhen. Es geht darum, Dinge zu verändern.

DIE WICHTIGSTEN ERKENNTNISSE

In der Klinik begann die eigentliche Arbeit. Ich habe angefangen, mich noch einmal anders mit mir selbst auseinanderzusetzen – mit meinen Erwartungen, meinem Verantwortungsgefühl und dem inneren Druck, alles allein schaffen zu müssen.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse begleitet mich bis heute: Ich muss niemandem beweisen, dass ich erfolgreich bin.

Gleichzeitig habe ich erlebt, dass vieles weiterläuft, auch wenn ich selbst einmal nicht da bin. Meine Firma funktionierte drei Monate ohne mich. Gerade als Trainerin und Coach war noch etwas anderes wichtig für mich. Ich begleite Menschen in Veränderungsprozessen und unterstütze sie dabei, neue Perspektiven zu entwickeln. Und trotzdem musste auch ich lernen, Hilfe anzunehmen. Heute sehe ich darin keinen Widerspruch. Im Gegenteil.
Auf dem Weg zurück haben mir vor allem die einfachen Dinge geholfen: Gespräche, Bewegung und das Radfahren. Schritt für Schritt kam Stabilität zurück.

MEINE DREI WICHTIGSTEN LEARNINGS

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ZURÜCK IM ALLTAG

Zurück im Alltag war nichts mehr wie vorher. Es fühlte sich zunächst an, als würde ich auf Eis stehen und hier und da wegrutschen. Ich musste meinen eigenen Rhythmus wiederfinden und lernen, mir weiterhin Pausen zu erlauben. In der weiterführenden Therapie wurde mir noch klarer, wie sehr ich dazu neige, Dinge zu Zerdenken und wie wichtig es für mich ist, mich abzugrenzen.

Auch heute gibt es Momente, in denen alte Muster zurückkehren. Der Unterschied ist: Ich erkenne sie früher und kann bewusster entscheiden, wie ich damit umgehe. Mein Körper ist heute einer meiner wichtigsten Indikatoren. Manchmal meldet er sich noch immer mit einem Zittern – vor allem im Kopf, als würde er "Nein" sagen. Früher hat mir das Angst gemacht. Heute weiß ich: Das ist mein Warnsignal. Dann ist es Zeit, die Bremse zu ziehen.

Rückblickend sehe ich keinen einzelnen Zusammenbruch, sondern viele kleine Warnsignale, die ich zu lange übersehen habe.

WARUM ARBEITSUMGEBUNGEN WICHTIG SIND

Psychische Gesundheit entsteht nie durch einen einzelnen Faktor. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Unternehmenskultur, Führung, Arbeitsorganisation und Arbeitsumgebung.

Ein Büro verhindert keinen Burnout. Arbeitsumgebungen können aber beeinflussen, wie Menschen arbeiten, sich konzentrieren und zwischendurch neue Energie tanken. Studien zeigen, dass Tageslicht, Rückzugsräume, Bewegungsmöglichkeiten und soziale Begegnungen das Wohlbefinden und gesundes Arbeiten fördern können.

SO KÖNNEN ARBEITSUMGEBUNGEN DIE GESUNDHEIT UNTERSTÜTZEN

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Genau deshalb beschäftigen wir uns als Büromöbelhersteller mit diesem Thema. Denn wir sind überzeugt, dass gute Arbeitswelten nicht nur funktional sein müssen, sondern den Menschen in den Mittelpunkt stellen.


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