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REALITY CHECK
Interstuhl    19.02.2018     2723

WAS BRINGT DIE ARBEITSWELT VON MORGEN?

Solange es das Konzept der Arbeit gibt, solange denkt der Mensch auch darüber nach, wie es damit in Zukunft weitergehen wird. Dahinter steht die richtige Erkenntnis, dass Stillstand erstens unmöglich und zweitens der Tod jedes Unternehmens ist. Ging es früher meist eher um technische Fragen, so stehen heute tiefgreifende gesellschaftliche und strukturelle Faktoren im Mittelpunkt. Alle sind Herausforderungen, manche sogar fundamentale Risiken. Was ist denkbar und was nur Hysterie? Zeit für einen Reality Check.

 

DIGITALISIERUNG: WIE VIEL KÜNSTLICHE INTELLIGENZ VERTRÄGT DIE ARBEIT?

Nachdem der Sturm namens Digitalisierung über uns hinweggefegt ist und eine neue Arbeitswelt geschaffen hat, richtet sich die Aufmerksamkeit nun darauf, wie weit digitale Strukturen und künstliche Intelligenz komplexe Aufgaben übernehmen (werden) - und damit den Menschen vielleicht überflüssig machen.

Der Witz ist, dass sich die Roboterfrage seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts nicht wirklich geändert hat, als das Maschinenwesen erstmals realistisch gedacht wurde: Massenarbeitslosigkeit, Verlust der Kontrolle und Aufstand der Maschinen stehen immer noch im Mittelpunkt der Sorgen.

Diese haben sogar zugenommen, weil nun nicht mehr nur autonom arbeitende Maschinenglieder zur Debatte stehen, sondern diesen auch noch eine eigene Intelligenz verliehen wird. Alphatier Mensch hat Angst vor der eigenen Schöpfung.

Ob diese Angst auf Kontrollebene berechtigt ist, lässt sich natürlich nicht beantworten. Doch die Frage nach der Entmenschung der Arbeit schon: Solange es einen Roboter gibt, braucht es jemanden, der ihn designt, entwickelt, wartet und ihm Befehle erteilt. So gesehen ist künstliche Intelligenz also nur der nächste logische Schritt der Automatisierung, die es bisher auch nicht geschafft hat, Arbeit abzuschaffen.

 

FLEXIBILITÄT: WER BESTIMMT DAS (ARBEITS-)LEBEN?

Mitarbeiter haben hart um flexible Arbeitszeitmodelle und ebenso flexible Arbeitsplatzmodelle gekämpft. Schließlich hat sich Arbeit aus festen Strukturen gelöst und ist ortsungebunden, projektiert und wird immer wieder neu gemischt. Diese Rechnung ist aufgegangen. Nur leider mit einem schwierigen Vorzeichen.

Denn wenn aus Stellen Jobs und aus Aufgaben Projekte werden, gibt es für Unternehmen keinen Grund, fest geplante, finanziell vorkalkulierte und arbeitsunabhängige Stellen zu vergeben. Schon jetzt verzweifeln viele Arbeitnehmer an befristeten Verträgen oder projektbezogener Vergütung, beklagen den Zwang dazu, dass die Unternehmen verlangen, heute hier und morgen dort zu arbeiten. Planungssicherheit? Fehlanzeige!

Hier entsteht großes Konfliktpotential - und zwar nicht zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sondern unter den Arbeitnehmern selbst. Denn während junge, gut ausgebildete Fachkräfte dabei den Luxus der Wahl haben, müssen minderqualifizierte Kräfte nach der Pfeife der Unternehmen tanzen. In Zukunft vielleicht noch mehr als jetzt. Gibt es dafür eine Lösung? Bisher keine, die nicht an romantische Utopien grenzt.

 

WORK-LIFE-BALANCE ODER WORK-LIFE-INTEGRATION?

Was Arbeit für einen Menschen bedeutet, dürfte in Zukunft noch stärker infrage stehen. Schließlich nehmen Berufe mit großem Selbstverwirklichungspotential ebenso zu, wie die Entfremdung der Gesellschaft durch mangelndes Privatleben.

Hinter der Suche nach Balance zwischen diesen Polen könnte jedoch ein Denkfehler stehen: Der alte Widerspruch zwischen Leben um zu Arbeiten oder Arbeiten um zu Leben ist vielleicht keiner. Beide Bereiche nähern sich durch die Digitalisierung sowieso immer mehr an. Viele Menschen definieren sich immer stärker durch ihren Traumberuf - ohne, dass sie dabei ein Gefühl von Mangel haben. Gleichzeitig holen zum Beispiel integrierte Betreuungsstätten in Unternehmen das Privatleben an den Arbeitsplatz.

Geht es um die Work-Life-Balance, könnte aus dem Bild der Waage also in Zukunft das Bild der Medaille entstehen: Das eine ist kein Gegengewicht zum anderen, sondern eine andere Seite des gleichen Menschen. Wer so denkt, sucht nicht mehr nach Trennungs- sondern Verknüpfungspunkten. Das ist der weitaus organischere Ansatz.

 

DEMOGRAPHISCHER WANDEL: RENTE MIT 107?

Überalterung der Gesellschaft = Fachkräftemangel = immer späterer Renteneintritt. Diese Rechnung beschäftigt Ökonomen seit Jahren und ruft Schwarzmaler auf den Plan. Tatsache ist aber, dass die Geburten wieder ansteigen. Selbst wenn es zum einem Loch im Fachkräfte-Pool kommt, ist dies eine Chance für die Zukunft - wenn man es denn richtig angeht.

Denn die Fixierung auf den Nachwuchs lässt außer Acht, welch großes Potential in der Best Ager-Generation schlummert. Die Rente ist manchmal auch ein Zwang, dem sich viele gar nicht beugen wollen. Zumal die finanzielle Grundlage nicht üppig ist.

Es gilt also eher darüber nachzudenken, ob wir in Zukunft als Unternehmen beim Einstellungsgespräch nicht auf das Alter, sondern auf die Qualifikation und den Enthusiasmus schielen. Da wir als Gesellschaft nicht nur älter werden, sondern auch immer länger leben, können wir Fachkräftemängel nur dann beseitigen, wenn wir das alte Modell der Lebensarbeitszeit grundsätzlich überdenken. Damit darf durchaus die Frage gestellt werden, ob das Konzept Rente in seiner jetzigen Form nicht auch zur Debatte steht.

 

GLOBALISIERUNG: ENGER ZUSAMMEN ODER JEDER FÜR SICH?

Dieser Punkt ist der Endgegner für alle Zukunftsforscher, hängen davon doch erstens alle anderen Fragen und zweitens alle anderen Gedankenspiele rund um die Arbeit ab: Rückt die Welt noch enger zusammen oder werden alte Grenzen noch vehementer gezogen? Bleibt Arbeit mobil und global oder wird sie wieder stationär und lokal? Was wäre besser?


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