Sitzen das stille
Gesundheitsrisiko
Interstuhl    14.01.2026     274

Sitzen – das stille Gesundheitsrisiko und warum aktives Sitzen Teil der Lösung ist

Mehr als zehn Stunden – so lange sitzt die deutsche Bevölkerung im Schnitt jeden Tag, so der aktuelle DKV-Report von 2025 (S. 30). Ob im Büro, im Homeoffice oder auf dem Weg zur Arbeit: Unser Alltag ist geprägt von langem, starrem Sitzen. Das Problem dabei? Bewegungsmangel ist längst zu einem der größten Gesundheitsrisiken unserer Zeit geworden – er erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Übergewicht und Rückenprobleme.

Die naheliegende Antwort scheint oft Sport in der Freizeit zu sein. Doch Studien zeigen: Selbst wer nach Feierabend joggt oder ins Fitnessstudio geht, kann die negativen Effekte von stundenlangem Sitzen am Stück nicht vollständig ausgleichen (vgl. Whitepaper Ergonomie, S. 6–7). Die eigentliche Lösung liegt viel näher – und zwar direkt unter uns: im aktiven Sitzen.

Im Folgenden werfen wir einen Blick auf die erschreckenden Zahlen aus dem DKV-Report von 2025. Anhand dessen erklären wir, warum klassisches 'richtig sitzen' nicht mehr reicht, und zeigen, wie aktives Sitzen mit Hilfe moderner Büromöbel nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Produktivität steigern kann. Dabei greifen wir auf eigene Forschung aus unseren Whitepapern zurück – und präsentieren übersichtliche Grafiken der wichtigsten Kennzahlen, die verdeutlichen, wie selten ein rundum gesunder Lebensstil in Deutschland tatsächlich ist.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Die deutsche Bevölkerung sitzt werktags im Schnitt über 10 Stunden pro Tag – deutlich mehr als noch vor zehn Jahren.
  • Langes Sitzen erhöht nachweislich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Übergewicht und muskuläre Beschwerden.
  • Sport in der Freizeit reicht nicht aus, um die negativen Effekte von stundenlangem Sitzen vollständig auszugleichen.
  • Selbst ergonomisch korrektes Sitzen verliert seinen gesundheitlichen Nutzen, wenn die Sitzhaltung über lange Zeit unverändert bleibt.
  • Entscheidend ist nicht allein, wie wir sitzen, sondern wie oft wir die Sitzposition verändern.
  • Konzepte wie aktives Sitzen und Activity Based Working können Bewegung direkt in den Arbeitsalltag integrieren – ohne Produktivitätsverlust.

1. Sitzen in Zahlen – was die Studien verraten

Werktags sitzt Deutschland im Schnitt 613 Minuten – das sind gut 10 Stunden –, der Median liegt sogar bei 623 Minuten . In der nachfolgenden Grafik haben wir die Verteilung der sitzenden Tätigkeiten an einem Werktag aufgeschlüsselt:

Sitzzeit-Verteilung an Werktagen 2025



Damit haben sich seit 2014 die Gesamtsitzzeiten um knapp zwei Stunden pro Werktag verlängert. 77 % der Befragten geben an, täglich mehr als acht Stunden zu sitzen. Jedoch kompensieren nur rund 30 % dieser "Vielsitzer" das lange Sitzen durch ausreichende Aktivität (DKV-Report S. 38).

Parallel dazu erfüllt nur ein sehr kleiner Teil der Bevölkerung die Gesundheits-Benchmarks insgesamt. So erreichen z. B. gerade mal 2 % den Wert "rundum gesund", 34 % ernähren sich gesund und 29 % verzichten auf Alkohol (DKV-Report S.16).

Zentrale Gesundheitskennzahlen



Die häufigsten gesundheitlichen Probleme, die durch zu langes Sitzen hervorgerufen werden, haben wir Ihnen in folgender Abbildung veranschaulicht:

Risiken durch Sitzen

2. Von Ergonomie zu Dynamik – warum "richtig sitzen" nicht mehr reicht

Lange Zeit galt das ergonomische Sitzen als Königsweg zur Rückengesundheit im Büro. Höhenverstellbare Stühle, Lordosenstütze und optimal ausgerichtete Monitore sollten Beschwerden vorbeugen. Doch die Forschung – und auch unser Whitepaper Ergonomie (S. 6–7) – zeigen klar: Selbst die "beste" Sitzhaltung verliert ihren gesundheitlichen Nutzen, wenn sie stundenlang unverändert beibehalten wird. Der DKV-Report 2025 unterstreicht dieses Problem: Wer viele Stunden täglich sitzt, leidet häufiger unter Rücken- und Nackenproblemen, eingeschränkter Durchblutung und Konzentrationsschwächen – unabhängig davon, wie perfekt der Arbeitsplatz eingestellt ist. Das eigentliche Defizit ist der Mangel an Bewegung während der Arbeit.

Hier setzt das Konzept aktives Sitzen an. Es bedeutet, die Sitzhaltung regelmäßig zu wechseln, durch Mikrobewegungen die Muskulatur zu aktivieren und den Körper dynamisch arbeiten zu lassen. Statt statischer Positionen kommen flexible Sitzflächen, leicht federnde Mechaniken oder Hocker zum Einsatz, die ein sanftes Wippen, Drehen oder Vor- und Zurücklehnen ermöglichen.

Diese "Bewegung im Sitzen" unterstützt nicht nur die Wirbelsäule, sondern fördert auch den Kreislauf und regt den Stoffwechsel an – und das, ohne dass man den Arbeitsplatz verlassen muss. In modernen Bürokonzepten wird aktives Sitzen deshalb oft mit Steh-Sitz-Arbeitsplätzen kombiniert, um Haltungswechsel über den Tag hinweg selbstverständlich zu machen.

Einen Schritt weiter geht das Konzept des Activity Based Working (ABW). Es berücksichtigt, dass Mitarbeitende im Laufe ihres Arbeitstages unterschiedliche Tätigkeiten ausführen und dafür je nach Aufgabe den passenden Arbeitsplatz wählen (Fincke et al, 2018 ). Unternehmen, die ABW umsetzen, stellen ihren Mitarbeitenden deshalb eine Vielzahl von Zonen zur Verfügung, die gezielt auf verschiedene Aufgaben zugeschnitten sind. Dazu gehören beispielsweise Bereiche für konzentrierte Einzelarbeit, kollaborative Teamarbeit oder kurze Pausen. Die Mitarbeitenden wählen ihren Arbeitsplatz je nach aktueller Aufgabe und wechseln dabei ganz selbstverständlich zwischen den unterschiedlichen Zonen (Becker et al., 2022 ).

Activitiy Based Working umgesetzt in einem Bürokonzept



Durch diese Nutzung wird die körperliche Aktivität im Arbeitsalltag automatisch gefördert, da die Mitarbeitenden ihre Haltung häufiger wechseln und so die Sitzzeiten reduziert werden (de Bloom et al., 2017). Gleichzeitig zeigen Studien, dass ABW-Umgebungen positive Effekte auf die wahrgenommene Autonomie, die Flexibilität und die Teamkommunikation haben (Becker et al., 2022 ). Auf diese Weise unterstützt ABW ein dynamisches und flexibles Arbeiten, das die Nutzung verschiedener Arbeitszonen, ergonomische Abwechslung und körperliche Aktivität miteinander verbindet.

3. Bewegung ins Sitzen bringen – so geht's

Aktives Sitzen ist kein theoretisches Konzept, sondern lässt sich mit der richtigen Büroausstattung und Raumgestaltung sofort umsetzen. Der Schlüssel liegt darin, den Körper zu subtilen, aber stetigen Bewegungen anzuregen, ohne die Arbeit unterbrechen zu müssen.

Bewegliche Sitzmöbel:

  • Dynamische Bürostühle mit 3D-Mechaniken, die seitliche, vorwärts- und rückwärtsgerichtete Bewegungen zulassen.
  • Wackelhocker oder Balance Stühle, die den Körperschwerpunkt leicht instabil halten und so die Rumpfmuskulatur aktivieren.



Wie ermöglichen wir bei Interstuhl mit unseren Bürostühlen und Wackelhockern aktives Sitzen?

Mit unserer entwickelten und patentierten Mechanik Flextech erweitern wir klassisches ergonomisches Sitzen um dynamische, dreidimensionale Bewegungen. Flextech basiert auf einer bewährten Synchronmechanik, vergrößert jedoch das Bewegungsspektrum des Stuhls in alle Richtungen. So werden kontinuierliche Mikrobewegungen ermöglicht und ein dynamisches Sitzverhalten gefördert. Flextech unterstützt eine aktive Sitzhaltung und kann positive Effekte auf die Gesundheit und das Wohlbefinden haben, indem einem Bewegungsmangel beim Sitzen entgegenwirkt wird.

Flextech ist bei Interstuhl-Bürostühlen für die Kollektionen HEJ, EVERY, JOYCE, AIM, GOAL auswählbar. Die Entwicklung von Flextech basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Tests der ETH Zürich bestätigen ebenfalls ein deutlich größeres Bewegungsspektrum im Vergleich zu herkömmlichen Synchronmechaniken.
Mehr Informationen zu Flextech finden Sie hier.

Risiken durch Sitzen

Darüber hinaus fördert unsere Kollektion PURE ebenfalls aktives Sitzen. Dank der Smart-Spring-Technologie passt sich PURE dynamisch an das Körpergewicht und die Bewegungen der Nutzenden an. Sie ermöglicht große Bewegungsradien in alle Richtungen, sodass dreidimensionales Sitzen ohne zusätzliche Einstellung möglich wird. PURE sorgt dafür, dass die Muskulatur kontinuierlich aktiviert wird und häufige Haltungswechsel stattfinden, wodurch Beine, Hüfte und Wirbelsäule mobil bleiben.

Auch unser Interstuhl UP Sitzhocker unterstützt durch seine konvexe Ausgestaltung der Sitzfläche eine aktive Sitzhaltung. Er folgt beim Sitzen Bewegungen in alle Richtungen und mindert so den Druck auf die Bandscheiben. Auch wird aufgrund der kontinuierlichen Bewegung die Blutzirkulation gefördert.



Flexible Arbeitsplatzlösungen:

  • Elektrisch höhenverstellbare Tische, die einen schnellen Wechsel zwischen Sitzen und Stehen ermöglichen –ideal in Kombination mit aktivem Sitzen und ergonomischen Stehhilfen.
  • Mobile Arbeitsstationen, die Positionswechsel und spontane Umgruppierungen im Raum fördern.



Raumgestaltung – die Bewegung fördert:

  • Activity Based Working (siehe 3.), fördert aufgrund der Tätigkeitsbasierten Arbeitsplatzauswahl die Bewegung innerhalb des Arbeitsalltags. Die strategisch angeordneten Arbeitszonen und unterschiedlichen Sitzgelegenheiten schaffen natürliche "Bewegungsanlässe".

Das Ziel ist klar: weg von einer starren, passiven Sitzkultur – hin zu einem Arbeitsumfeld, das Bewegung selbstverständlich macht. Kombiniert mit kurzen Aktivpausen, wie sie auch in unserem Ergonomie-Whitepaper (S. 9–10) empfohlen werden, entsteht ein Büro, das nicht nur die Produktivität steigert, sondern auch die Gesundheit nachhaltig schützt.

4. Positive Effekte – für Körper und Unternehmen

Die gesundheitlichen Vorteile von aktivem Sitzen sind vielfältig – und sie setzen schneller ein, als manche vielleicht erwarten. Bereits kleine, regelmäßige Bewegungen im Sitzen können:

  • Rücken- und Nackenbeschwerden reduzieren: Durch wechselnde Belastung bleibt die Muskulatur aktiv und Verspannungen lösen sich leichter.
  • die Durchblutung fördern: Mikrobewegungen verhindern, dass das Blut in den Beinen 'versackt', und verbessern die Sauerstoffversorgung des Körpers.
  • den Stoffwechsel anregen: Bewegung erhöht den Kalorienverbrauch und unterstützt die Regulation des Blutzuckerspiegels.
  • die Konzentrationsfähigkeit steigern: Mehr Bewegung bedeutet auch mehr Sauerstoff fürs Gehirn – und das wirkt sich direkt auf die mentale Leistungsfähigkeit aus.

Positive Effekte durch aktives Sitzen

Der DKV-Report 2025 zeigt deutlich, dass Bewegungsmangel im Arbeitsalltag einer der zentralen Risikofaktoren für die Gesundheit ist – nur 32 % erfüllen die kombinierten WHO-Empfehlungen für Ausdauer- und Muskeltraining (S. 22–23). Für Arbeitgeber bedeutet das: Jeder investierte Euro in bewegungsfreundliche Arbeitsplätze wirkt präventiv gegen Ausfälle.

Auch wirtschaftlich lohnt sich dieser Ansatz: Laut Studien, die wir im Ergonomie-Whitepaper (S. 4–5) zusammengefasst haben, führen ergonomisch und dynamisch gestaltete Arbeitsplätze zu weniger Krankheitstagen, höherer Arbeitszufriedenheit und besserer Mitarbeiterbindung. Bewegung im Sitzen ist damit nicht nur eine Frage der Gesundheit – sondern auch ein Wettbewerbsvorteil im "War for Talents".

5. Sofort umsetzen – vier Quick Wins für mehr Aktivität am Arbeitsplatz

Aktives Sitzen muss nicht mit einer kompletten Büro-Neugestaltung beginnen. Schon kleine Änderungen können Großes bewirken – sowohl für die Gesundheit als auch für die Stimmung im Team.

  • Den Stuhl austauschen – aber richtig: Setzen Sie auf bewegliche Sitzmöbel wie Bürostühle mit 3D-Mechanik und Wackelhocker. Schon der Wechsel eines einzigen Arbeitsplatzes zu einem dynamischen Modell kann als Testlauf dienen und andere Kolleg:innen inspirieren.
  • Stehmeetings und Walking Meetings einführen: Besprechungen im Stehen dauern meist kürzer, sind fokussierter und regen zusätzlich die Durchblutung an. Kurze Abstimmungen können sogar beim Gehen stattfinden – ideal für frische Luft und neue Ideen.
  • Bewegungsanlässe schaffen: Positionieren Sie Drucker, Wasserspender oder zentrale Ablagen bewusst nicht direkt neben den Arbeitsplätzen. So entstehen automatisch kleine Bewegungspausen im Tagesablauf.
  • Fokus auf Activity-Based-Working legen: Planen Sie ihr Büro mit definierten Zonen für verschiedene Tätigkeiten wie z.B. Telefonboxen, Meeting-Inseln, Fokus-Arbeitsplätze. Der Wechsel des Arbeitsplatzes je nach Tätigkeit macht den Arbeitsalltag aktiver.

Diese Maßnahmen sind sofort umsetzbar, kosten wenig bis gar nichts – und können nach unseren Erkenntnissen schon innerhalb weniger Wochen spürbare Effekte auf Wohlbefinden und Produktivität haben.

6. Fazit

Langes, statisches Sitzen ist fester Bestandteil unseres Arbeitsalltags – und zugleich ein zentraler Risikofaktor für Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Die Forschung zeigt klar: ergonomisch korrektes Sitzen allein reicht nicht aus, wenn Bewegung während der Arbeit fehlt.

Entscheidend ist daher ein Perspektivwechsel: weg von statischen Lösungen, hin zu Arbeitsumgebungen, die Bewegung selbstverständlich machen. Aktives Sitzen, regelmäßige Haltungswechsel und tätigkeitsbasierte Arbeitsplatzkonzepte können dazu beitragen, Gesundheit und Produktivität gleichermaßen zu fördern.

Jetzt handeln: Ob durch bewegliche Sitzmöbel, flexible Arbeitsplätze oder gezielte Bewegungsanlässe – schon kleine Veränderungen können im Arbeitsalltag spürbare Effekte erzielen. Wer Bewegung frühzeitig in Büro- und Arbeitskonzepte integriert, investiert nachhaltig in seine Mitarbeitende und die Organisation. Ob durch bewegliche Sitzmöbel, flexible Arbeitsplätze oder gezielte Bewegungsanlässe – jeder Schritt hin zu mehr Dynamik im Büro ist ein Gewinn. Lassen Sie sich von uns zeigen, wie Ihr Unternehmen aktives Sitzen in den Alltag integrieren kann. Gerne unterstützen wir Sie auch bei der ganzheitlichen Planung Ihrer Büroräumlichkeiten.

Freuen Sie sich außerdem schon auf unser nächstes Spotlight! – hier werden wir noch tiefer in das Thema Active Sitting eintauchen.

Quellen

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